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Ordnung und Disziplin
Von Birgit Geistbeck | 20.Januar 2012
Ordnung und Disziplin sind Eigenschaften, für die wir Deutsche schon immer geschätzt wurden. “Heute stöhnen wir unter der Last des Überflusses.”, so die Zeit in einem Artikel übers Entrümpeln.
Woran liegt es, dass wir immer mehr im Krempel versinken? Woher kommt das ganze Zeug? Der Artikel versucht, den Fragen auf den Grund zu gehen. Drei mögliche Gründe werden genannt. Zum einen die sich immer schneller erneuernde Technik, die uns mit ausrangierten Handys, MP3-Playern, Laptops, Fernsehern und zugehörigen Kabeln zumüllt, die Freizeit- und Sportbranche, in der wir auch up-to-date sein und mitreden und -machen wollen, und die Sache mit dem Erben. Geld und Wertanlagen ist nicht das einzige, was vererbt wird. Es kommen ganze Hausstände dazu. Da stellt sich dann schnell die Frage, wohin damit.
Der Artikel beschäftigt sich aber nicht nur mit den Ursprüngen des Krempels, sondern gibt auch Impulse, die mir helfen, meinem Chaos wieder Herr bwz. Frau zu werden.
Regel Nummer 1: Die Dinge sollen sich dem Leben anpassen und nicht mein Leben den Dingen
Dem kann ich uneingeschränkt beipflichten. Möchten Sie sich von Ihren Dingen diktieren lassen, wie Sie zu leben haben? Wahrscheinlich eher nicht. Die Realität sieht aber so aus, dass unsere Dinge, mit denen uns wir umgeben, sehr wohl unser Leben diktieren. Sie schreien “Putz mich”, “Räum mich auf”, machen uns ein schlechtes Gewissen (ungenutzte Sportgeräte z.B.) und rauben uns eine Menge Zeit und Nerven.
Regel Nummer 2: Sammeln ja, aber nicht Krempel
Als ich das gelesen habe, kamen mir sofort Ideen, was man an Immateriellen sammeln könnte: schöne Augenblicke, nette Menschen, Lächeln, schöne Urlaubsorte, usw. Sicherlich fällt Ihnen da noch mehr ein. Und diese Sammlungen erfreuen uns mehr als der x-te MP3-Player, der vielleicht eine Funktion mehr hat als der alte.
Regel Nummer 3: Was nicht benutzt wird, muss aus dem Weg
Ich finde, Unbenutztes sollte nicht nur aus dem Weg sondern aus der Wohnung / dem Haus. Und die Dinge, die benutzt werden, brauchen einen festen Platz, an dem sie wieder gefunden werden.
Regel Nummer 4: Wieviel und welche Ordnung passt zu mir?
Ich bin kein Mensch von Pauschallösungen, dazu sind wir – Gott sei Dank – alle zu verschieden. Mit der Ordnung verhält es sich genauso. Was für den einen gemütlich ist, ist für den nächsten schon unordentlich. Wir müssen nicht alle wie Mönche im Zen-Kloster wohnen, um glücklich zu werden. Aber wir sollten uns einen Blick dafür zulegen, was uns von den Dingen, die zu Hause herumstehen, herumliegen, versteckt sind, wirklich gut tun. Dann finden wir auch unser persönliches Maß an Ordnung.
Den ganzen Artikel können Sie unter www.zeit.de nachlesen.
Ihre
Birgit Geistbeck
Topics: Entrümpeln, Ordnung | 2 Kommentare »
31.Januar 2012 at 12:53
Hallo,
1. bei all dem Putz- und Entrümpelungsfieber, sollte mensch nicht vergessen, das etwa auch Museen wichtige Orte sind, an denen eben bewusst Vergessnenes nicht entsorgt, sondern aufbewahrt und geschätzt wird.
Zudem, wenn mensch wertvolle Leistungen der Menschheit nicht schätzen, sondern immer wieder “manisch” entsorgen würde, (was teilweise schon stattfindet), dann gäbe es nur eine immer wildere und anwachsendere Über-Produktion von ewig angeblich “Neuen” Dingen.
Im Endeffekt hat der Produktionswahn eienr Verwertungsgesellschaft und sogn. (rein technische) Produktivitäts-fortschritt der “modernen” Industriegesellschaften dazu geführt, das immer mehr produziert, verkauft und konsumiert werden MUSS.
2. Wenn mensch wieder mehr selbst her- und erstellen würde, hätte man/frau/mensch auch reale Freude an den Dingen, würde sie wert-schätzen und nicht als “Gerümpel” bezeichnen.
In älteren/hstorischen Zeiten hatten Gegenstände (die auch weniger zahlreich waren, da sie mühsamer hergestellt und daher auch eher geschätzt wurden) eine liebens- und lebenswerte “Gebrauchspatina”, etwas das man zu schätzen wusste, sie hinterließen eine Zeitspur, die an Vergänglichkeit und Zeit erinnerte, die vertstreicht und produktiv “genützt” werden sollte.
3. Der Mensch ändert auch sich selber nicht andauernd, behängt sich bisweilen zwar mit neuen Hüllen, bleibt aber in seiner (kurzen) Lebenszeit im Kern der selbe und wird nicht unbedingt besser, weil er/sie/es weggeworfen und wieder irgendwo, irgendwie aufersteht, oder?
Denn die vielen äusserlichen Dinge sind es, die den Mensch belasten und ihn/sie davon abhalten, sich selbst zu sehen, zu erkennen und “wahr” zu nehmen.
Gruß, B.
1.Februar 2012 at 13:46
Lieber B.,
danke für Ihren Kommentar. Es freut mich, auch andere Meinungen zu hören. Und ich gebe Ihnen sogar in einigen Punkten Recht.
Zu Ihrem ersten Punkt, den Museen. Es ist wichtig, dass Dinge auch aufgehoben und bewahrt werden, in Museen. Aber deswegen muss das eigene Zuhause nicht zu einem Museum werden. Wir leben in der Gegenwart und nicht in der Vergangenheit, was nicht heißt, dass wir die Vergangenheit nicht wertschätzen sollten. Aber da muss nicht über Dinge geschehen.
Zu den menschlichen Leistungen, die sich – so wie ich Sie verstehe – auch in Produkten ausdrückt, bleibt mir nur zu sagen, dass diese keinerlei Wertschätzung erfahren, wenn sie ungeachtet herumstehen (und aufgrund der Menge nicht zur Wirkung kommen)oder in Dachböden oder Kellern vermodern. Und Entrümpeln heißt nicht, Altes wegzuwerfen und gleich wieder neues nachzukaufen. Es bedeutet, wieder ein Gefühl dafür zu entwickeln, was ich wirklich brauche, und das schließt auch Neukäufe ein.
Zu Ihrem zweiten Punkt kann ich nur sagen, dass nicht alle die Zeit haben, Dinge selbst herzustellen. Ob die Wertschätzung eine andere wäre, wage ich – zumindest wenn es sich um von anderen selbst Hergestelltes handelt – zu bezweifeln. Denn die selbstgebastelte Vase, die ich geschenkt bekommen und die mir aber so gar nicht gefällt, macht eher ein schlechtes Gewissen und eine Wertschätzung erfährt sie auch nicht, wenn sie in irgendeinem Karton im Keller landet.
Und bei drittens muss ich Ihnen widersprechen. Meiner Meinung nach ändert sich der Mensch andauernd, jedenfalls diejenigen, die leben und an sich arbeiten. Also ich bin jedenfalls nicht mehr die, die ich noch vor 10 Jahren war. Das hängt damit zusammen, dass ich viele Dinge ganz anders sehe als damals und auch damit, dass ich mich in einer ganz anderen familiären Situation befinde.
Und besser wird der Mensch natürlich nicht, wenn er oder sie anfängt zu entrümpeln, aber wahrer in seiner Person. Denn das Materielle verdeckt und müllt zuweilen die Persölichkeit zu.
Das sagen Sie ja selbst: “Denn die vielen äusserlichen Dinge sind es, die den Mensch belasten und ihn/sie davon abhalten, sich selbst zu sehen, zu erkennen und “wahr” zu nehmen.” Und diesem Satz kann ich nur zustimmen.
Birgit Geistbeck